Der kanadische Erdöl- und Erdgasmarkt
Seit Beginn der ersten Energiekrise im Jahre 1973 war in Nordamerika ein Investitionsboom in Erdöl- und Erdgasbohrungen zu verzeichnen, mit einem vorläufigen Höhepunkt in den Jahren 2004-2006. Dass gerade kleine und mittlere Firmen das Öl- und Gasgeschäft betreiben, ist in Nordamerika nichts Ungewöhnliches. Auf sie entfallen ca. 70% des gesamten Marktes, während die großen multinationalen Mineralölunternehmen sich überwiegend mit hochriskanten Explorationsvorhaben (z.B. Offshore-Bohrungen) befassen, die ihnen im Verhältnis zu den hohen Investitionskosten überdurchschnittliche Ertragschancen bieten.
Allgemeine Informationen zum Ölbusiness in Kanada
Die Provinz Alberta förderte im Jahr 2008 68% des gesamten Öls und 80% der gesamten Gasproduktion in Kanada. Im Jahre 2008 belief sich die Ölproduktion auf mehr als 3 Mio. Barrel Öl pro Tag. Der wichtigste Exportpartner für Kanada sind die USA. Dorthin fließen 99% der Ölexporte. Damit ist Kanada der Hauptzulieferant für die US-Ölimporte. Außerdem kommen 90% der US-Gasimporte aus Kanada.
Saskatchewan ist nach Alberta die zweitgrößte Öl produzierende Provinz mit einem Anteil von etwa 20% an der Gesamtproduktion. Mehr als 18.000 Quellen produzieren hier etwa 400.000 Barrel Öl pro Tag. Die noch verfügbaren Reserven werden auf 1,2 Mrd. Barrel Öl geschätzt.
Nach dem Rekordjahr 2007, in dem in Kanada Öl- und Gasquellen im Wert von CAD 49,7 Mrd. gekauft wurden, waren es in 2008 noch CAD 17,5 Mrd. Damit ist das sehr gute Niveau der Vorjahre wieder erreicht worden. Es lag zwischen CAD 16,6 Mrd. in 2004 und CAD 26,3 Mrd. in 2006.
Es kann also davon ausgegangen werden, dass produzierende Öl- und Gasquellen grundsätzlich auch zukünftig zum Verkauf angeboten werden.
Aktuelle Situation beim Einkauf von Öl- und Gasquellen
1. Weniger konkurrierende Kaufinteressenten
In der Vergangenheit waren es im Wesentlichen die Öl- und Gas-Trustfonds, die als Käufer von produzierenden Öl- und Gasquellen aufgetreten sind. Diese Öltrusts waren steuerlich erheblich begünstigt. Investoren kamen in den Genuss weitgehend steuerfreier Ausschüttungen. Somit floss den Trusts jährlich erhebliches neues Kapital zu, das zum Erwerb von Öl- und Gasquellen eingesetzt werden konnte.
Durch eine Änderung der Steuergesetzgebung im Oktober 2006 sind die Steuervorteile für Öl- Trustfonds weitgehend weggefallen, sie sind nun anderen Öl- und Gasgesellschaften gleichgestellt. Der Kapitalfluss geriet ins Stocken, und statt selbst zu kaufen, treten die Öl- Trustfonds sogar verstärkt als Verkäufer von Öl- und Gasquellen auf, um Kapital für ihre Ausschüttungen zu haben.
Kurzum. Nachdem die kanadischen Öl- Trustfonds nunmehr wie alle anderen Gesellschaften ihre Einnahmen versteuern müssen, entfallen sie als Hauptkonkurrenz beim Kauf von produzierenden Quellen. Ein Fakt, der sich günstig auf die Preise auswirken kann.
2. Produzenten müssen verkaufen
Die Bohraktivität in Alberta ging zurück, nachdem Ende 2007 ein neues Royalty-System (Lizenzgebühren) eingeführt worden war. Mit Wirkung ab 2011 soll das Royalty-System in Alberta nochmals angepasst werden. Für die kleineren und mittleren Ölunternehmen bedeuteten die höheren Kosten geringere jährliche Nettoeinnahmen. Dazu kommt, dass kleinere und mittlere Ölfirmen zurzeit kaum noch Zugang zum privaten Kapitalmarkt haben und ihnen damit die Möglichkeit fehlt, Geld für ihr ureigenes Explorationsgeschäft - das Auffinden neuer Öl- und Gasquellen - zu erhalten. Für diese Firmen wird nun der gesamte oder teilweise Verkauf ihrer Öl- und Gasproduktion zur echten Alternative.
Dies spricht dafür, dass der Kauf von produzierenden Quellen in Alberta auch weiterhin zu attraktiven Kaufpreisen möglich sein wird.
